TATORT BODENSEE 2020


It’s hard work! Von den Dreharbeiten und der Drehvorbereitung

Perfekte Teamarbeit

Wirklich herausragend, wie bei diesem Dreh die einzelnen
Positionen wie ein Räderwerk ineinander griffen. Und das schon nach vier Tagen
Dreh! Moritz Roller zum Beispiel hatte die Kameraassistenz übernommen und
zuverlässig die Zuarbeiten, wie Optik oder Akku wechseln oder auch nach
Drehschluss das Laden der Akkus, erledigt. Jan Bleiholder an der Kamera hatte
sich bereits nach einem Tag im Handling sowohl mit Schärfe, als auch mit
gestalterischen Aufgaben bewiesen. Das war umso mehr erfreulicher, als die
eigentlich für die Kameraarbeit gewonnene Schülerin Stephanie Hacker aus der
11. Klasse, die schon viel Erfahrung aus der Foto-AG mitbrachte, diese Aufgabe
kurzfristig wieder abgeben musste (Guess why! Weil die Coronaregeln keine
Vermischung von 13ern und 11er Klasse zuließen.) Das war sehr bitter, da Stephanie
bereits das visuelle Konzept mit den drei Gewinnerinnen erstellt hatte. Sie
wird im Abspann dafür einen entsprechenden Credit bekommen.

In den einzelnen Departments wurde Wissen immer wieder an das Team weitergegeben. Als z.B. ein einem Drehtag in den Abend hinein gedreht wurde, musste der Tonmann Aaron Staude weg. Ganz selbstverständlich hat er seiner Kollegin Leonie Quitschke (die bislang an der Tonangel stand) alles weitergegeben, was beim Tonpegeln zu beachten ist. Leonie wiederum hat Laura Escalante, die eigentlich im Produktionsdepartment arbeitet, gezeigt worauf es beim Angeln ankommt.

Lea Schmidt und Achim Frank sind beide in der Maske Autodidakten, hatte aber bereits im Kulturhaus Osterfeld (Pforzheim) und bei Fotoshootings Erfahrung beim Maskemachen gesammelt. Das ganze Team profitierte sehr davon. Auch die Einschränkungen, die wegen der Coronamaßnahmen bestanden, wurden vom Team Maske hervorragend umgesetzt (Deinfektion, Schwämmchen und Pinsel für jeden einzelnen Schauspieler*in). Der Maskenbereich war von Anfang bis Ende ein Selbstläufer. Großes Lob!

Kreativität bis ins kleinste Detail

Die minimale Ausstattung durch Laura Jung und Chiara Klotz passte
perfekt zu den Charakteren der Figuren und ist ein wirkungsvoller Kontrast zum
emotionalen Spiel. Die Zuschauer dürfen sich z.B. auf ein eigens designtes
Pforz-Bier freuen. Die Marke musste für den Film erfunden werden, da auch in
der im Film vorkommenden Demonstrationsszene Flaschen splittern und auf dem
Tisch im Nazikeller weitere Flaschen herum stehen und man keine Schleichwerbung
für eine existierende Marke machen wollte. Natürlich zerschellten auf dem Kopf
des rechten Gegendemonstranten keine echten Falschen, sondern ganz
hollywoodlike „einige“ Crashglasflachen, also aus Zuckerglas hergestellte
Fakeflaschen, die erst wenige Stunden vor dem Dreh per DPD-Express ankamen.

Eine besondere Herausforderung war, dass mit wenigen
Statisten auf dem Pforzheimer Rathausplatz eine rechte Demo und linke Gegendemo
erzählt werden sollte, in Coronazeiten nicht ganz einfach. Dank spezieller Kameraeinstellungen,
auch Handkamera, die sich durch den Nebel, hergestellt mit Nebelmachine,
bewegte, konnte  Masse suggeriert werden.
Der Ton und das Soundesign werden ihr Übriges tun. An dieser Stelle möchten wir
herzlich der sehr kooperativen Stadt Pforzheim und dem Polizeirevier Pforzheim-Süd danken!

Blick in die Zukunft

Wenn der Film Ende Oktober fertig sein wird, können sich
alle auf eine wunderbare Premiere freuen, bevor er beim Filmfestival Filmschau
Baden-Württemberg Anfang Dezember laufen wird – und hoffentlich noch bei vielen
anderen Festivals. Die Supervisoren für die Bereiche Regie/Gesamtleitung
(Sabine Willmann), Kamera (Notker Mahr), Ton/Sounddesign/Musik (Oliver Heise)
und Schauspiel (Torsten Hoffmann) sind sehr froh, ihr Wissen an diese besonders
motivierte Gruppe weitergeben zu können. Einige aus dem Team streben eine
professionelle Karriere im Filmbereich an, entweder im Schauspiel oder hinter
der Kamera.

Vor dem Dreh: Wer macht Regie?

Die Entscheidung ist gefallen: Die drei Autorinnen Caro Grausam, Michelle Kähm und Katharina Ehrmann wollen gemeinsam Regie führen! Filmpädagogin Sabine Willmann hatte ihnen zuvor die Chancen, aber auch die Schwierigkeiten, die dabei auftreten können, aufgezeigt. Die drei wollen es dennoch wagen. Wer am Set das letzte Wort hat, werden sie noch untereinander klären, damit im Fall der Fälle keine ausufernde Diskussionen am Set enstehen. Außerdem wollen die drei die zum Regiestab gehörenden Positionen Regisseurin, Regieassistentin und Script & Continuity rotierend ausführen. Das wird auf alle Fälle spannend!

Schauspieltraining online – geht das?

Anfang Juli fand das erste Schauspieltraining mit Schauspielcoach Torsten Hoffmann und Filmpädagogin Sabine Willmann per Videokonferenz statt. Gestartet wurde mit einer Leseprobe mit den beiden Hauptdarsteller Priska (Rolle Lana) und Enes (Rolle Mio). Sie mussten dabei ihren Text also noch nicht auswendig kennen vor, ist ging zunächst darin, überhaupt in die Rolle reinzukommen. Deshalb sollten die drei Autorinnen/Regisseurinnen als Hausaufgabe eine Übersicht der Beziehungen und Konflikte der Figuren zueinander aufstellen und mit den beiden schon besetzten Hauptrollen live in Pforzheim ein Rolleninterview durchführen. Das fand im Freien und natürolich mit gegebenen Abstand statt. Wie intensive die Arbeit war, das kann man schon am Fragebogen erkennen.

Hier berichten die drei Autorinnen/Regisseurinnen über das Rolleninterview

Am Montag, dem 13. Juli, haben wir unsere Hauptdarsteller das erste Mal in Pforzheim live erlebt. Das Rolleninterview mit Priska (Lana) und Enes (Mio) war sehr spannend!

Zwei der drei Regisseurinnen machen Rolleninterviews mit ihren zukünftigen Hauptdarstellern.

Die beiden sind direkt in ihre Rolle eingetaucht und haben sich auf die Gefühlswelt der jeweiligen Rolle eingelassen. Vor allem, wenn es um die Beziehung zueinander und das Thema „Liebe“ ging, wurde es von beiden Seiten sehr emotional. Außerdem hat uns die Authentizität und die subjektive Wahrnehmung der Rollen sehr überrascht. Als Mio über seine Vater-Sohn-Beziehung sprach, kam seine verletzliche Seite zum Vorschein, die sich dadurch zeigte, dass Mio Schwierigkeiten hatte, Worte zu finden bzw. durch längere Sprechpausen deutlich zu verstehen gab, die Fragen über seinen Vater nicht beantworten zu wollen.

Im Interview mit dem Hauptdarsteller Enes, der Milo spielen wird.

Auch Lana stellte ihre Beziehung zu ihrem Bruder Dennis in Frage und hoffte darauf, endlich von ihm akzeptiert zu warden. Lana klang während ihrer Ansprache an ihren Bruder ziemlich verzweifelt und versuchte, ihn mit letzter Kraft von Mio zu überzeugen. Ihre Stimme wirkte dennoch an manchen Stellen leise und eingeschüchtert, man spürte wieder die Angst, die ihr Bruder in ihr auslöst.

Mio hat zum ersten Mal ausgesprochen, was er wirklich für Lana fühlt. Das war ein weiterer emotionaler Augenblick im Interview. Wir denken, dass vor allem dieser Teil für die Dialogarbeit förderlich sein könnte, um Mios Gefühlswelt möglichst authentisch darzustellen.

Für die Dialogarbeit hat sich für uns aus dem Rolleninterview also ergeben, dass wir so authentisch wie möglich bleiben wollen, um auch in den Zuschauern Emotionen auszulösen. Und tatsächlich fiel auch der entscheidende Satz „Lana, ich liebe dich!“ Wir freuen uns auf die Dreharbeiten und können es kaum erwarten, alle Schauspieler live vor der Kamera agieren zu sehen!

Drehbuch again und Location

Marilenas Wohnung ist bereits gefunden.

Bis Ende Mai entwickelten die Drehbuchautorinnen gemeinsam mit Sabine und Schauspielcoach Torsten die Figurenprofile weiter (hier das pdf dazu:  Figurenprofile_30052020) – sie werden die Grundlage für die Schauspielerarbeit sein. Außerdem wurden bereits die ersten Locations gesichtet (und festgelegt). Das ist enorm wichtig, denn eine Filmlocation muss nicht nur zur Handlung bzw. zu den Figuren passen, sondern auch einige organisatorische Bedingungen erfüllen: Sie muss zum Beispiel gut erreichbar sein und es muss genügend Platz für Maske, Kostüm, Catering, Technik usw. vorhanden sein. Die Wohnung von Marilena ist gefunden: Sie passt zu einer 23jährigen, allein lebenden Krankenschwester. Auch der Spielplatz aus den Anfangsszenen ist bereits gespottet.

Das Motiv „Spielplatz“ muss vor allem für das Team gut erreichbar sein.

Musik- und Tonsupervisor Oliver traf sich unterdessen (digital) mit dem Musik- und Tonteam Leoni, Jan und Aaron. Filmmusik ist eine ganz eigene Welt, und so erläuterte Oliver vor allem die spezielle Vorgehensweise für Musik im Film. Es fängt zum Beispiel an mit dem Briefing mit der Regie (grundsätzliche Absprache über die Art der Musik sowie das Erstellen einer Musikliste, d.h. wo und von wann bis wann wird es Musik geben und warum). Dann muss die Produktionsart festgelegt werden (elektronisch oder Live-Musiker), das Layout der Komposition, Regeln für das Feedback und die Abnahme durch die Regie, das Arrangement und die Aufnahme (bei einer Livemusik) sowie die Mischung am Ende. Da im Laufe des Prozesses unterschiedliche Fertigkeiten gefragt sind, besteht eine erste Aufgabe darin zu überlegen, wer welche Aufgabe übernehmen möchte. Alle drei aus dem Musik- und Tonteam konnten sich zudem vorstellen, bei den Dreharbeiten den Originalton zu übernehmen (also die Tonaufnahmen am Set). Eine perfekte Situation, da man im Idealfall zwei Personen für den Ton benötigt (Angel & Mischer/Recording) und somit eine weitere Person als Reserve da ist.

 

Drehbuch übarbeiten ist Arbeit

Im Lauf des Aprils haben sich die drei Autorinnen Caro, Katharina und Michelle insgesamt vier Mal mit Sabine getroffen, um am Drehbuch zu arbeiten. Natürlich virtuell! Dabei haben sie sehr viel über die Figuren und einige „unsaubere“ Stellen im Drehbuch diskutiert. Meist dauerten die Meeting gute zwei Stunden. Außerdem wurden Figurenprofile für die Hauptfiguren erstellt. Ursprünglich waren beim Gewinnerdrehbuch ja keine Figurenbeschreibungen dabei. Dennoch hatten die Autorinnen natürlich Vorstellungen von ihren Figuren. Diese wurden nun in den Figurenprofilen sehr sorgfältig formuliert und verdichtet. Eine klare Figurenzeichnung hilft dabei, die Geschichte plastischer zu machen. Auch bei der späteren Inszenierungsarbeit zwischen Schauspielern und Regieführendem sind sie als Vorarbeit sehr wichtig. Es ist übrigens immer noch nicht klar, welche Positionen im Team die drei Autorinnen einnehmen werden. Aber es macht auch schon jetzt einiges an Mühe, am Film – in diesem Fall am Drehbuch – zu arbeiten. Jedenfalls konnte die Drehbucharbeit Ende April inhaltlich erst einmal abgeschlossen werden.

Im Detail: So wurden die Szenen geändert

Das Drehbuchteam hat ziemlich viele Szenen geändert. Hier mal exemplarisch die Szene 11, die Liebeserklärung. Teilweise war der Dialog hier sehr gestelzt und passte nicht zur Figur Mio und zur Situation. Indem Mio in der neuen Szene 11 NEU (die Änderungen sind gelb) an dieser Stelle andere und ganz bewusst auch mehr Worte sagt, kommt seine Verlegenheit stärker zur Geltung und die Situation bekommt etwas Liebevoll-Humorvolles. Genau die richtige Klimax, bevor das abrupte, traurige Ende einbricht.
In der Szene 3, die ja vorgegeben war, ist das Problem, dass Marilena (Mios Schwester) ebenfalls in den Schülertreff reinkommt und ein Demonstrationsplakat ablegt, also erkennbar auch auf der Demo war. Das passt aber nicht mehr zum weiteren Drehbuch, da Marilena in der Geschichte nun eine alleine lebende Frau und von Beruf Krankenschwester ist. Deshalb wurde in der neuen Szene 3 NEU (Änderungen gelb) die Handlungsbeschreibung angepasst, so dass Marilena im Schülertreff einen Nebenjob hat und dort an freien Wochenenden an der Theke jobt.

Das sieht jetzt gar nicht nach so viel Änderung aus, aber jeder Stelle gingen intensive Diskussionen voraus und die drei Autorinnen konnten jede ihrer Entscheidungen begründen (darauf hat Sabine als Filmpädagogin geachtet).

Das Ton-Team ist bereits gefunden

Nicht alle Videokonferenz-Systeme sind Corona-sicher 😉

Inzwischen konnte auch das Organisatorische in Angriff genommen werden und erste mögliche Drehorte wurden besprochen. Nun gilt es, ein Team zusammenzustellen. Im Freundes- und Bekanntenkreis, meist aus dem Theodor-Heuss-Gymnasium Pforzheim, aber auch vom benachbarten Hebelgymnasium, wollen viele mitmachen. Das erste Department, das die drei besetzen konnten, ist das Ton- und Musikdepartment. Leonie, Jan und Aaron Staude sagen zwar: „Viel Erfahrung haben wir allerdings noch nicht beim O-Ton, eine kleine Einweisung wäre daher nötig.“ Doch genau dafür gibt es ja Oliver Heise, den Supervisor für den Bereich Ton und Musik. Im Musikbereich haben die drei dafür umso mehr Erfahrung. Jan zum Beispiel spielt seit über 10 Jahren Saxophon in verschiedenen Orchestern und Bands. Leonie spielt Klavier und hat zusammen mit ihrem Lehrer eigene Alben und Filmmusik komponiert. Aaron spielt ebenfalls Klavier und singt im Chor. Er bringt zudem Erfahrung mit Digital Audio Workstations ein. Besonders schön ist, dass Jan und Aaron ebenfalls ein Drehbuch eingereicht hatten (sie hatten aber nicht gewonnen). Toll, dass sie nun beim Dreh dabei sind.

Erste Besprechung per Videokonferenz

Am 8. April fand die erste Drehbuchbesprechung zwischen den drei Gewinner-Autorinnen vom Theodor-Heuss-Gymnasium Pforzheim und der Filmemacherin Sabine Willmann statt. Sabine ist nicht nur Dokumentarfilmproduzentin, sondern macht auch seit vielen vielen Jahren Filmprojekte mit Kindern und Jugendlichen. In diesem Jahr betreut sie zum vierten Mal den Gewinnerfilm von TATORT BODENSEE.

Das erste Meeting war in Coronazeiten, wie bei so vielem, natürlich nur online möglich. „Alle waren froh“, beschreibt Sabine die Stimmung, „dass wir auf diesem Weg das Projekt starten konnten und nicht abwarten mussten, bis man sich persönlich treffen kann.“ Neben einem intensiven Gespräch über das Drehbuch, also die Handlung, die Figuren und deren Motivation, wurde bereits auch einiges zum Organisatorischen besprochen. So muss bereits über die Besetzung des Drehteams nachgedacht und Locations müssen gefunden werden.

Fotos: O.Heise/doq-media

Die Motivation der drei Autorinnen ist groß. Katharina fotografiert viel und könnte sich Kamera vorstellen. Caro will Schauspielerin werden, würde sich hier aber möglicherweise auch einen anderen Bereich vornehmen, da sie als Autorin/Gewinnerin sich auch für Vieles verantwortlich fühlt. Michelle interessiert sich generell für die Branche.

Zur ersten Skype-Besprechung kam dann noch Oliver Heise hinzu, Supervisor des Departments Ton und Musik. Auch über die Tongestaltung muss man sich von vorneherein Gedanken machen. Für den 15. April ist die nächste Besprechung angesetzt. Natürlich wieder per Skype.